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Geiles Alter

Ich will von unserer neuen Praktikantin schreiben. Blutjung, naseweis und so unglaublich süß ist sie. Und nett! Sagt sie doch letztens zur Kundschaft: "Einen kleinen Moment bitte, der junge Mann ist gleich für sie da." Von da an tänzelte ich nur noch durch den Tag. Und als ich ihr neulich mit galantem Wortwitz und feiner Ironie kam, schaut sie mir neckisch in die Augen und streckt mir doch spitz die Zunge raus. Ich war der Ohnmacht nahe.

"Da kannst du mal sehen, wie weit es mit mir gekommen ist", sag ich zu meiner Gattin, "daß ich mich jetzt gar schon geschmeichelt fühle, wenn eine 19-Jährige mich 'junger Mann' nennt."
"Wie der ärztliche Direktor im Krankenhaus damals", erinnert sie sich. "Als so ein junges Ding von einer Schwesternschülerin ihm den schweren Aktenwagen mit Röntgenbildern vors Schienbein fuhr, hat der auch immer nur noch Danke gesagt."
10.12.07 18:55


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Menschen und Begegnungen, Kapitel 7: Winterliche Impressionen

Im Frühling kann es vorkommen, wenn man in die Stadt fährt, daß man nur lauter schöne Menschen sieht. Das hebt das Gemüt und tut so gut. Die Menschen gehen mit der Jahreszeit.

Jetzt im Supermarkt stand ich mit Lük vor den Waschmitteln und fragte mich: "Welches nimmste?" Eine stattliche Hausfrau freundlich um Rat gebeten raunzte: "Weiß ich nicht" und marschierte stracks an mir vorbei. An der Käsetheke spricht mich meine Lieblingskäseverkäuferin an, noch ehe ich an der Reihe bin: "Den Käsehobel erkläre ich ihnen gern an meinem hier, dafür müssen sie den da nicht aus der Umverpackung herausnehmen - ist doch keine Art so was!" Ich bin schon ganz kleinlaut: "Aber der stand hier doch schon ausgepackt." Und dann: "Wieviel soll's denn sein? Was, weniger? Ich hatte verstanden, daß ihnen das abgepackte Stück da zu klein war?"
"Oh ha", sag ich zu Lük, "diesmal hat sie mich aber hart rangenommen, die Käsetante. Na ja, wahrscheinlich hab ich's verdient. [...] Nee, eigentlich hab ich's nicht verdient. Eigentlich nicht, diesmal."
Wenig später fragt Lük unvermittelt: "Ist schon wieder Halloween?" Ich überlege und sag: "Du meinst die Frau, die uns gerade entgegen kam?" Und am Tresen von Oliven und Surimi noch so ein verstaubtes Paar, so hohlwangig-aschgrau und klapperig. Lük meint: "In der dunklen Jahreszeit kommen die alle aus ihren Löchern heraus, wesen und irrlichtern hier rum."
Tatsächlich, dieser Dezember ist grauenvoll. Ich hoffe nur, daß ich selbst ein etwas besseres Bild abgebe. Immerhin, und das nehme ich schon als gutes Zeichen, haben wir insgeheim auch ein bißchen lachen können, Lük und ich.

Und Euch, meine lieben Leser und Leserinnen,
noch einen schönen Advent und

fröhliches Irrlichtern!
10.12.07 17:15


"Ich könnte ja mal über

Eva Herman schreiben!", so sprach ich zu meiner Frau. Und war gespannt.
"Das mach mal", gab sie mir zerstreut zur Antwort. Sie war nämlich anderweitig beschäftigt. "Das machen jetzt alle."
"Wie, du meinst, ich sollte also nicht?"
"Doch, du solltest!"

Also, jetzt weiß ich gar nicht mehr...
10.9.07 18:19


Der Undankbare, Subspecies Kostverächter

"Heute gibt's Pellkartoffeln, hab ich gehört...?"
"Ja, heute hab ich Pellkartoffeln gekocht."
"Aha. - Na, dann können wir ja Bratkartoffeln daraus machen."
"Sie sind noch etwas warm, du kannst sofort noch ein paar essen."
"Ach, laß mal, dann warte ich lieber, bis es so weit ist."
"Was meintest du, Bratkartoffeln? Nein, die machen wir nicht daraus, dafür sind sie viel zu schade!"
"..."
"Also, ich habe auch Hunger. Und du hast doch auch noch nicht zu Mittag gehabt?"
"Hmm, ich hab schon Schokolade gegessen."
"Das ist aber nicht das gleiche."
"Stimmt, aber es hilft über den gröbsten Hunger hinweg."
10.9.07 16:31


Alle meine Zipperlein

Mal tut das linke Sprunggelenk weh, mal ist es das rechte Knie oder die Hüfte. Heute hab ich eine Blase am Fuß, wo zwei Zehen etwas unegal ausgerichtet sind und gegeneinander reiben. Dann muß ich wohl morgen getaped auf die Schicht wackeln.
Es ist alles gar nicht so schlimm. Wieso mache ich mir eigentlich Sorgen, ob ich es schaffe, dem Streß standzuhalten..., ob ich schnell genug bin..., ob ich bis zum Feierabend durchkomme... und wie lange ich das alles wohl leisten kann. 25 Jahre noch...? Haha!
Gar kein Grund zur Sorge. Es regelt sich am Ende selbst. Eines Tages wird der Körper sagen: Es reicht, genug gerannt, genug malocht, es geht nicht mehr! So einfach ist das. - Man muß nur aufmerksam genug sein, um nicht erst den finalen Herzklabaster als Stopruf wahrzunehmen.
5.8.07 00:29


Habe Cyrill gesehen...

bzw. was er übrig gelassen hat. Falls sich noch jemand erinnert an den 18. Januar, den Wintersturm. Die Eltern reden seit einem halben Jahr davon: "Mußt du dir unbedingt ansehen." War also heute in dem Wald, in dem ich meine halbe Jugend zugebracht habe. Da sind hektarweise Trümmerlandschaften zu bejammern. Die himmelhohen Nadelbäume weggeputzt, zerbröselt, abgesplittert. Alle Bestände, die jünger waren als ich selbst, hatten offenbar gar keine Chance. Die jungen Schonungen, an die ich mich noch erinnere von damals, chirurgisch sauber flachgelegt. Und selbst so manche Buchen von über einem halben Meter Durchmesser umgelegt mit Stumpf und Stiel. Wurzeln und Erdreich ragen nun senkrecht. Die größte Scheibe mag bestimmt fünf Meter gemessen haben.
In den 70er Jahren muß es auch mal ein bißchen gestürmt haben. Als Jungen hatten wir uns diese vereinzelten Erd- und Wurzelaufwerfungen auserwählt, um sie mit Ästen und Zweigen zu überdecken und uns so überdachte Erdlöcher zu schaffen. Es war eigentlich nichts, sie waren nicht wind- noch wetterfest, waren eng und dreckig, aber es waren unsere Höhlen, und wir waren tagelang beschäftigt damit im Wald, wohin niemand sonst kam.
Dieser Sturm muß aber unvergleichlich gewesen sein. Da ist über ganze Areale kein Stein über dem anderen geblieben, da wäre in jener Nacht niemand lebendig aus dem Wald herausgekommen. Jetzt haben sie schon kräftig aufgeräumt, die Stämme stapeln sich gewaltig an den Wegrändern, doch die Stümpfe stecken halt noch im Niemandsland, der Boden voller Geäst. Was ich sah auf meiner Wanderung: Eine einzige mobile Holzfällermaschine, die ich nicht recht zu deuten wußte. So ein Ungeheuer mit Stahlketten um ihre 2-Meter-Reifen, mit einem langen Greifarm und mit Walzen vorne dran, um die Bäume zu greifen und ... ich weiß nicht was. Und einen Jungen auf einem Quad-Offroad-Pickup - es sind ja Sommerferien - der hatte einen Helm auf, Sägen und jede Menge Kanister hinten drauf. Ich hätte Forstwirt werden können. Da lägen Hölle und Paradies ziemlich dicht beieinander jetzt.
Dieser Cyrill ist immer noch gegenwärtig, grimmig in den Schneisen, die er geschlagen hat.
27.7.07 23:37


Im Fadenkreuz von Weltgeschichte

Siggi kommt gebürtig aus Polen. Nein, kein Pole! Ein Deutscher, der nur eben besser polnisch spricht. Kann aber auch gar kein Pole sein, er ist nämlich evangelisch. Betont evangelisch! Siggi ist fromm, ja er ist so evangelischradikal, daß er drüben in einer doppelten Diaspora weilte, in der Schnittmenge von katholischer wie kommunistischer Abschußagenda. Sigg lebte im Fadenkreuz. Die Namen seiner Familie hätten schon auf den Listen von denen gestanden ("Ich habe sie gesehen mit meinen Augen!", triumphiert er heute), die als erste an den Bäumen aufgeknüpft werden sollten. Der leidende Gerechte. Die um ihres Glaubens willen Gedemütigten und Verfolgten. Ihrer ist das Himmelreich. Blöd wird's nur immer, wenn das in Selbstgerechtigkeit umschlägt. Sigg weiß durch die Erfahrungen und Drangsale seines Lebens eben sehr genau Bescheid um Gut und Richtig und hat keine Angst mehr vor extremen Positionen...

"Du, den Biolek guck ich gar nicht, der is ja schwul!", tönt er am Sonntagmorgen in Ewalds Eck. Selbstverständlich hat der moderne Stammtisch auch Kochsendungen im Programm. Noch geht Sigg von einem kurzen Prozeß aus, von einem billigen Einvernehmen.
"Ach so. Na und?", meint Schluffen Bernd, der allerdings noch nicht wahrhat, daß es jetzt um Grundsätzliches gehen könnte. "Aber kochen kann er. Nu erstmal zusammen anstoßen!"
"Das ist nicht natürlich!"
Bernd nickt: "Da hast du recht".
Jos tönt heiser: "Ich werd im nächsten Leben schwul", und wischt sich den Schaum ab. Das hat er schon lange angemeldet, weil er den ewigen Ärger mit den Frauen satt hat.
"Das ist nichts zum Späße machen", sagt Sigg. "Meinetwegen könnten die Schwulen alle weg."
"Na hör mal! Sei du doch einfach froh, daß du noch da bist!"
Siggis Muskeln spannen sich sichtbar: "Was willst du?!" Robert legt beruhigend einen Arm um ihn und hält ihn zurück. "Bist du etwa schwul", ruft Sigg über den Tisch?
"Nee, noch nicht", sagt Jos. "Aber was regst du dich eigentlich auf?"
"Na, nur so. Stellt euch das doch einfach nur mal vor, zwei Männer - widerlich!"
"Was, zwei Männer? Findest du zwei Frauen auch widerlich?"
"Ach was, Frauen. Aber Männer, wenn die sich so im Arsch...", wird Sigg immer lauter. Ewald wirft hinter der Theke einen ersten skeptischen Blick auf unsere Runde.
"Was ist denn mit dem Arsch?", meldet sich nun der sanfte Robert zu Wort, der wo im Siechenheim schafft. "Ich finde, da gibt's viel schlimmere Sachen."
"Ääh, was kann denn ekelhafter sein?"
"Na, Blut und Knochen zum Beispiel. Eiternde Wunden. Oder wie wäre es mit Kotze?" Der Stammtisch schüttelt sich. "Aber so Schleimhäute, da ist eigentlich nichts Widerliches dran, laß dich nur einmal drauf ein; ganz im Gegenteil! Soll ich noch deutlicher werden?"
"Nu is aber genug." Da wird's auch dem Jos zu mulmig: "Das laß mal sein, Junge. Du mit deinen Alten bist doch schon vollkommen abgestumpft."
"Oder sensibilisiert", hält Robert dagegen. "Und überhaupt, du bist doch ein Mann, oder? Bist du doch, hm! Na, dann solltest du eigentlich auch wissen, wie dein eigener Arsch empfindet."
"Gott hat uns nicht als Schwule geschaffen", spielt Sigg seinen Trumpf. "Das hat gar nichts damit zu tun, was dein Arsch empfindet. Mann und Frau gehören zusammen und passen zusammen", brüllt er. "Schöpfngsgschchte, mehrteuch, Kndr machn..., drtte Mose 18,22." Er kann nicht mehr.
"Was ist mit Grass in seinem Butt?" Ich will doch auch mal was dazu sagen. " 'Es ist nur deine gute Erziehung, Ilsebill, die dir Angst macht vor meinem Arsch.' Laß deine Schöpfungsgeschichte ruhig stecken, Sigg. Was Männer mit Frauen können, wird wohl unter Männern auch noch hingehen."
"Geht nicht!", schnauft er.
"Weißt du, was ich mir wünsche?" Sigg tut mir fast leid. "Ich wünschte mir, daß in irgendeiner Höhle vom Kwumrahn der Beweis gefunden würde, daß Jesus schwul war. Mit Johannes, den er lieb hatte. Oder noch besser bi, Maria Magdalena noch obendrauf. Wer wollte glauben, daß wir es ihm gleich tun sollten?! - aber wie auch immer, es wäre ok! Das wäre eine Kultursensation sondergleichen! Am Ende würden alle die dicken Herren, die Würdenträger und Prälaten und die ganzen verbiesterten Moralapostel sagen wie Schluffen Bernd: 'Schwul - na und?'."
Sigg ist am Ende.
"Oder wenigsten Paulus", lenke ich ein. "Ach Quatsch, vergiß Paulus. PETRUS!" Und da stoß ich Sigg in die Rippen und leg ihm die Hand auf die Schulter. "Was sagst du, Alter, das isses, Petrus war schwul! Nu hör auf zu flennen. - Ewald, mach mal schnell ne Runde; wir legen hier gerade ein kirchen- und weltgeschichtliches Fundament!!"
Und Siggi kommt langsam aus dem Schluchzen heraus und ins Kichern. Peter war schwul! Mensch, ich glaub's ja nicht. Alle Aufregung umsonst. Der Papst, haha...
Sigg juchzt: "Weißt du, und ich habe immer gedacht, du wärest irgendwie doof..."
Bei dieser Einsicht angekommen finden wir uns endlich alle wieder ganz in Ordnung, eigentlich.
24.7.07 13:10


Verirrt auf den CSD

Ein Schlüssel drehte sich in der Wohnungstür, und in den dunklen Flur trat eine Dame, die ich bisher weder kennengelernt noch in ihrer eleganten Erscheinung an diesem Ort auch nur für möglich gehalten hätte. Artig sagte ich ihr Guten Tag.
Das war Mitte der 90er, als ich den großen Onkel in Berlin besuchte, in Neukölln, direkt unterm Dach, in der Einflugschneise vom Tempelhof, wo im Viertelstundentakt die Wände der Schwulen-WG von oben her wackelten. "Morgen ist Christopher Street Day, da könnten wir hin", hatte der Onkel geschwärmt, schon euphorisiert. Er erzählte mir alte Geschichten von 1969, von den Cops in Greenwich Village und wie sie damals zurückgeschlagen hätten, aber das sagte mir alles nicht viel. Er mußte dann nächsten Tags doch in die Uni. So entschied ich mich fürs Siteseeing auf dem Fahrrad, das der große Onkel für Besucher instand und bereit hielt.
Und was macht man so erstmalig in Berlin? Gemütlich durch Kreuzberg radeln, einmal zum Bahnhof Zoo, Tiergarten und Siegessäule, Reichstag und Brandenburger Tor. Unter den Linden geriet ich in einen Menschenauflauf, der bald so dicht wurde, daß ich absteigen mußte. Da gab es Musik, da wurde auf der Straße getanzt, da gab es mobilen Imbiss und allerlei schräge Vögel zu bestaunen. Es dauerte eine Weile, bis ich begriffen hatte, daß der dusselige Tourist in mir unversehens zwischen die Schwulen und Lesben geraten war. Na, wenn das so ist, dann nehm ich eben ein Stück Pizza und einen Becher Bier. Und ließ mir die Atmosphäre gefallen. Mitreißende Rhythmen und mancher freie Oberkörper, Leder mit Nieten und Ketten, daneben schrille Farben, Schminke, Schick und Eleganz. Hinter einer Ecke zwei wuchtige Typen, die sich selbstbewußt und weltvergessen mit geschlossenen Augen innig gegeneinander stemmten. Ziemlich heterogen, dieses ganze Volk, würde ich sagen. Dabei aber von so offensichtlicher Einmütigkeit getragen - ich wüßte nicht, daß ich mich in einer so fremden unübersichtlichen Menschenmenge je weniger bedroht gefühlt hätte.
Zurück in Neukölln, ich war noch allein in der Wohnung, alle ausgeflogen, ließ ich die Eindrücke des Tages Revue passieren. Da wurde die Tür aufgeschlossen, und jene fremde Dame betrat die Szene. Was sollte ich mich groß wundern, in dieser WG war ein ständiges Kommen und Gehen von irgendwelchen Leuten, so sagte ich einfach artig Guten Tag. - "Hallo, der Bo", melodierte eine tiefe Stimme. Oh, wie peinlich, das war ja niemand anderes als Axel! Aufgebrezelt in Frauenkleidern. Und nun schob sich auch Dieter halbnackt hinter ihm her durch die Tür. "Hach, war das eine Party heute. Fand ich echt schön! Aber ich bin ja total erledigt jetzt. Komm Darling, laß uns etwas relaxen. Du hast echt voll was verpaßt, Bo!" Und schon waren die beiden in ihrem Zimmer verschwunden. "Ciao Bello!"
"Und wie war dein Tag?", fragte der große Onkel, als er ermattet vom Tagewerk an der Hochschule heimkehrte. Ich ließ den Flieger sich erstmal ausdüsen, der gerade vorbeikam, und erzählte ihm lässig weltmännisch von den Erlebnissen der dritten Art an meinem ersten Tag in Berlin.
22.7.07 07:28


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